THE UTTERING
«Die Sterne, die Karten, das menschliche Gesicht — wozu soll man die Zukunft in ihnen lesen, wenn die Worte nicht verändert werden können?» The Picture of Dorian Gray
Uttering ist eine Form der Invokation und des formgebenden Sprechens. Sprache ist darin kein Kommentar zu einer magischen Operation. Das Uttering selbst ist die Invokation. Wahrnehmung, Imagination und Intention verdichten sich im gesprochenen Wort und erhalten dadurch Form und Richtung.
Die Invokation geschieht im Augenblick des Aussprechens. Ihre Wirkung aber muss sich nicht in diesem Augenblick erfüllen. Im Uttering wird etwas, das als Wahrnehmung, Vorstellung oder Möglichkeit gegenwärtig ist, ausgesprochen und damit bewusst in Beziehung zur Wirklichkeit gesetzt. Das Wort wird zur Setzung. Wenn Zukunft nicht einfach feststeht, sondern sich aus Möglichkeiten, Entscheidungen und Beziehungen entfaltet, wird Sprache selbst zu einem Faktor dessen, was sich entfalten kann. Das Aussprechen legt die Zukunft nicht fest. Es bringt etwas in sie ein.
Gerade darin unterscheidet sich Uttering von Affirmation, Autosuggestion oder der populären Vorstellung des „Manifestierens“. Ein Wunsch wird nicht deshalb Wirklichkeit, weil er oft genug ausgesprochen wird. Uttering verlangt Präzision, Präsenz und Konsequenz. Es geht nicht darum, sich eine andere Wirklichkeit einzureden oder sie dem eigenen Willen zu unterwerfen. Auch eine Intention ist dabei kein festes Konstrukt. Sie verändert sich im Verlauf ihrer Entfaltung. Was zunächst ausgesprochen wurde, tritt in Beziehung zur Erfahrung; neue Wahrnehmungen entstehen, Zusammenhänge verschieben sich, andere Möglichkeiten werden sichtbar. Die Formgebung wirkt zurück auf den Formgebenden.
Hier berühren sich für mich magische und künstlerische Praxis. Wie der Künstler seinem Material nicht nur eine vorgefasste Form aufzwingt, sondern auf das reagiert, was im Prozess entsteht, verlangt auch Uttering die Bereitschaft, mit dem weiterzuarbeiten, was durch die Invokation in Bewegung gekommen ist. Das Wort ersetzt dabei die Handlung nicht. Und ebenso wenig fixiert es das Ergebnis.